Wissen(schaft) für alle: das Hummus-Geheimnis

Endlich satt! Nicht nur in der Vorweihnachtszeit wird gesnackt. Für viele gehört eine kleine Mini-Mahlzeit am Nachmittag einfach zum Tag dazu. Die zwei Forscher Evan J. Reister und Heather J. Leidy haben in ihrer aktuellen Veröffentlichung aus diesem Jahr beschrieben, dass manche Snacks anderen etwas voraushaben. Wieso also nicht clever snacken?

Wer wurde untersucht?
39 gesunde Erwachsene (14 Männer und 25 Frauen) im Alter von 25–27 Jahren mit einem Gewicht von 66,3–70,7 kg (was einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 23,9 und 24,9 entsprach) haben an dieser Snack-Untersuchung teilgenommen. Alle haben bis zum Ende mitgemacht.

 

Was wurde untersucht?

Die Wahl des Snacks am Nachmittag hat einen Einfluss darauf, ob mit dem Snack (1) wertvolle Nährstoffe im Körper ankommen, ob (2) der Appetit im weiteren Verlauf des Tages steigt oder sinkt und wie (3) der Blutzuckerverlauf ist.
Diese drei Punkte haben die Forscher unter die Lupe genommen, um festzustellen, ob und wie sich Mini-Mahlzeiten am Nachmittag unterscheiden und ob sie eher Positives oder eher Negatives mit sich bringen.

 

Wie wurden die Teilnehmer*innen untersucht?

Um vergleichen zu können, welche Unterschiede zwischen Hummus (mit Brezeln), Müsli-Riegel und keinem Snack bestehen, wurden die 39 Personen randomisiert* in sechs verschiedene Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe enthielt für sechs Tage entweder den Hummus-Snack, den Müsli-Riegel oder keinen Snack bevor sie dann in die nächsten sechs Tage mit einem anderen Snack starteten. Diese Untersuchungsmethode nennt sich Crossover Design**.

Zur Erklärung:
*Randomisiert bedeutet „zufällig“, das heißt, die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip einer der sechs Gruppen zugeordnet. Sie kennen dieses vielleicht schon aus dem Blogpost OLIVENÖL LÄSST LEBERFETT SCHMELZEN.
** Das Crossover-Design ist sinnvoll, um zwei oder mehrere „Mittel“ zwischen den Gruppen zu untersuchen. In diesem Fall sind die Mittel das Hummus, der Müsli-Riegel oder kein Snack. Diese „Mittel“ werden zu verschiedenen Zeitpunkten für eine bestimmte Zeit in den unterschiedlichen Gruppen eingesetzt (bevor dann zum jeweils anderen Mittel gewechselt wird). Danach können dann die Gruppen jeweils für sich als auch untereinander verglichen werden. Der große Vorteil des Crossover Designs ist, dass jede Gruppe jedes „Mittel“ bekommt. Außerdem gibt es noch einen Vorteil: Auch kleine Unterschiede können als statistisch signifikant (also bedeutsam – doch diese Bedeutung konnten Sie ja auch schon im oben erwähnten Blog über die Wirkung des Olivenöls lesen) ermittelt werden!

 

Der Hummus-Snack hatte 240 kcal. Diese kamen aus 6 g Eiweiß, 31 g Kohlenhydrate, davon 2 g Zucker, und 11 g Fett.

Der Müsli-Riegel hatte auch 240 kcal, doch er bestand aus weniger Eiweiß (4 g), mehr Kohlenhydraten (38 g), wovon auch mehr Zucker war (16 g), und weniger Fett (9 g).

Die Reihenfolge in jeder Gruppe war wie folgt.
Gruppe 1 (6 Personen): kein Snack → Hummus → Müsli-Riegel
Gruppe 2 (7 Personen): kein Snack → Müsli-Riegel → Hummus
Gruppe 3 (7 Personen): Hummus → kein Snack → Müsli-Riegel
Gruppe 4 (7 Personen): Hummus → Müsli-Riegel → kein Snack
Gruppe 5 (7 Personen): Müsli-Riegel → kein Snack → Hummus
Gruppe 6 (6 Personen): Müsli-Riegel → Hummus → kein Snack

Morgens, mittags und abends bekamen alle ein kalorisch vergleichbares Essen mit kleinen Wahlmöglichkeiten. Und dann gab es noch zum Mitnehmen für zu Hause eine Auswahl an elf verschiedenen Leckereien für den Abend (Brownies, Schokoladen-Keksteig-Eiscrème, aromatisierte Fruchtbonbons, mit Erdnussbutter gefüllte Schokolade, Kartoffelchips, Salzbrezel, Beef Jerky, Mandeln, Hummus, Äpfel und Karotten ... die Qual der Wahl), deren Verbrauch später gemessen wurde. Jede*r durfte zwar so viel davon essen, wie gewollt, musste aber nicht.
Am jeweils siebten Tag erhielten die Teilnehmer*innen ein standardisiertes Frühstück, Mittag und Abendessen, aber keinen Snack.

 

Was kam raus? Was sind die Ergebnisse?

Klar, der Hummus-Snack hat natürlich viel wertvollere Nährstoffe und wesentlich weniger Zucker als ein Müsli-Riegel – trotz gleicher Kalorienmenge. Zu dem Schluss, dass die Qualität der Ernährung sich durch Hummus-Snacks verbessert, kamen auch die beiden Autoren dieser Studie. Denn Hummus, im Vergleich zum Müsli-Riegel, hat durch den geringen Zuckeranteil wahrscheinlich dafür gesorgt, dass die Blutzuckerkonzentration der Teilnehmer*innen um 5 % sinkt. Ein Plus für die Gesundheit!
Doch Hummus kann noch mehr! Verglichen mit Müsli-Riegeln oder keinem Snack reduziert das Hummus das Snacken am Abend um signifikante 20 % (gemessen an den Kalorien). Verglichen mit keinem Snack reduziert Hummus auch den Appetit – also die Lust etwas zu essen und den Hunger – um signifikante 70 %. Der Müsli-Riegel hat das nicht geschafft.

Wenn du jetzt Appetit auf die Originalstudie bekommen hast, dann kannst du dir diese englischsprachige Arbeit von Reister und Leidy (2020) selbstverständlich anschauen.

 

Und was bedeutet das?

Snacken ist nicht immer sinnvoll! Auch eine lange Ess-Pause zwischen dem Mittag und dem Abendessen kann für den Stoffwechsel der einen oder anderen Person durchaus sinnvoll sein.
Wenn du jedoch snacken möchtest, dann ist ein hochwertiger Snack natürlich die beste Wahl. Das kann ein Hummus sein – es können aber auch Käsewürfel mit Cherry-Tomaten oder Nüsse sein. Von Vorteil ist, wenn der Snack möglichst eiweißreich und am besten auch ballaststoffreich ist.

  

(Heike Niemeier)

 


Quellen: 
Studie "An Afternoon Hummus Snack Affects Diet Quality, Appetite, and Glycemic Control in Healthy Adults" / Reister und Leidy (2020)


 Bild: © Eduardo López / stock adobe 

Dienstag, 17 November 2020 05:29

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